Selbstverständnis

Selbstverständnis

der Jungen Linken

“Reicher Mann und armer Mann
standen da und sah’n sich an.
Und der Arme sagte bleich:
Wär’ ich nicht arm, wärst Du nicht reich.”

Bertolt Brecht

Unser Ziel ist eine geeinte Menschheit, die gemeinsam alles schafft, was wir zum Leben brauchen. In der jeder Mensch ein Dach über dem Kopf und genug zu Essen hat, medizinische Versorgung bekommt und in Frieden leben kann. 

Die Welt, wie sie ist

Die kapitalistische Wirtschaftsweise steht uns dabei im Weg. Unsere aktuelle Gesellschaftsordnung beruht darauf, die Menschen in arm und reich zu teilen. Die Welt, wie sie ist, ist weit von der Welt entfernt, die wir wollen. Seit über hundert Jahren gäbe es die technischen Möglichkeiten, die Weltbevölkerung zu ernähren. Aber der politische Wille dazu fehlt. 800 Millionen Menschen leiden weltweit an Hunger. Jede und jeder Zehnte auf dieser Welt hat nicht genug zu essen. Dabei wären die Mittel und der Reichtum dafür vorhanden. 

Die knallharten Realitäten unserer Gesellschaft können wir jeden Tag beobachten: Während sich immer mehr Menschen kein vernünftiges Dach über dem Kopf leisten können, machen andere Milliarden damit, die Mieten immer höher zu treiben. Denn während die Profite der Großkonzerne und die Vermögen der Milliardäre in den letzten Jahren immer weiter gestiegen sind, müssen normal arbeitende Menschen heute schon froh sein, wenn sie überhaupt über die Runden kommen. In Österreich leben tausende Menschen unter der Armutsgrenze, und das, obwohl wir im Weltvergleich ein sehr reiches Land sind. 

Die elende Armut der einen und der unsägliche Reichtum der anderen existieren nicht unabhängig nebeneinander. Sie sind zwei Seiten derselben Medaille. Dass nicht alle Menschen, sobald sie geboren werden, ein sicheres Leben haben können, ist das zentrale Problem, vor dem wir seit Jahrhunderten stehen. 

Die Welt, die wir wollen

Doch wir wissen, dass eine andere Welt möglich ist. Eine Welt, in der Wohlstand allen zukommt und es nicht nur um Profite geht. Eine Welt, in der der Grundsatz gilt: “Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.” Eine Welt ohne Hunger, ohne Armut und ohne Krieg. Wir wollen nicht weniger als die Freiheit. 

Wir wollen eine andere Gesellschaft, weil die aktuelle Verteilung von Ressourcen ungerecht ist.
Es ist nicht gerecht, dass manche in reiche Familien und eine Welt voller Möglichkeiten geboren werden, während andere noch als Kinder an Hunger sterben. Kein Mensch ist etwas besseres, und niemand verdient es ohne Hoffnungen auf ein schönes Leben geboren zu werden. Ein Wirtschaftssystem, dass absurden Reichtum und Elend gleichzeitig herstellt, ist falsch. Ein System, in dem der Reichtum der einen auf die Armut der anderen baut, gehört abgeschafft. 

Wir wollen eine andere Gesellschaft, weil uns das Konkurrenzverhältnis im Kapitalismus kaputt macht.
Solange wir als Menschen nicht gemeinschaftlich alles herstellen, was wir zum Leben brauchen, stehen wir zueinander in einem Konkurrenzkampf. Solange der Reichtum der einen nur auf Kosten der anderen erwirtschaftet werden, kann zerstören wir damit unsere eigene Lebensgrundlage, unsere Gesundheit und unsere Umwelt. 

Wir wollen eine andere Gesellschaft, weil wir im Kapitalismus die Potenziale der Menschheit nicht ausschöpfen können.
Freiheit im Kapitalismus ist bloß die Freiheit, seine eigene Arbeitskraft zu verkaufen. Das Reich der Freiheit beginnt aber erst dort, wo unsere Existenz nicht mehr durch Not und äußeren Zwang bestimmt ist. Wir wollen Freiheit und dafür brauchen wir eine Welt in der statt Zwang, Not und Konkurrenz der Grundsatz gilt: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach ihren Bedürfnissen.

Die Welt, die wir wollen, ist eine Welt frei von Herrschaft. Die Menschheit ist aktuell durch ihre Unfreiheit beschränkt. Das muss aber nicht so sein, denn die Welt ist kein unveränderlicher Naturzustand. Deshalb arbeiten wir an einer befreiten Gesellschaft, dem Kommunismus.

Wir wissen, dass wir die Gesellschaft als Jugendorganisation nicht schon morgen aus den Angeln hebeln werden. Aus unserer Analyse folgt auch, dass wir zwar groß und mit Weitblick denken müssen, aber dass wir dabei nicht das Konkrete, das Kleine vor Ort aus den Augen verlieren dürfen. Deshalb versuchen wir als Junge Linke unsere Ideen einer anderen besseren Welt mit kleinen Schritten näherzukommen. Wir wirken dort, wo wir leben. 

Was wir Jungen Linken tun

Um eine befreite Gesellschaft zu erreichen, müssen wir die Welt verstehen und wir müssen sie verändern. Durch Bildungsarbeit schaffen wir einen Raum, in dem wir Stück für Stück analysieren, was in der Welt schief läuft und welchen Weg wir gehen müssen, um eine andere Gesellschaft möglich zu machen. Durch Aktionen machen wir auf uns aufmerksam, verbreiten unsere Ideen über eine bessere Welt und kommen ins Gespräch mit tausenden Menschen. Durch den Aufbau von solidarischen Räumen, wie dem Lernnetz, bringen wir Menschen zusammen, helfen uns gegenseitig und verankern die konkrete Erfahrung von Wirkmächtigkeit in unserem Alltag. 

Als Mitglieder einer Gesellschaft sind wir alle aufeinander angewiesen. Ob in der Schule, der Uni, der Arbeit oder in der Familie: Jede und jeder einzelne hat etwas davon, wenn wir solidarisch zusammenleben. Denn mehr als 95% der Menschen leben nicht davon, dass sie Reichtum besitzen, sondern müssen arbeiten und sind schlecht dran, wenn die Regierung Klassenpolitik von oben macht. 

Solidarität ergibt sich nicht nur aus einer Idee der Humanität, sondern wird durch die Gesellschaft zu einer Notwendigkeit: wir brauchen eine Gesellschaft, in der niemand zu kurz kommt, sonst laufen wir auch immer selbst Gefahr, auf der Strecke zu bleiben. Wir brauchen eine Welt, in der alle die gleichen Rechte haben und alle Ungerechtigkeiten bekämpft werden. Wir setzen uns ein für eine Politik, die allen nutzt – denn nur so können wir sicher sein, dass wir selbst auch etwas davon haben.

Wir wollen, dass es im Alltag von jungen Menschen wie uns auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen erfahrbar und erlebbar wird, dass diese Welt wie sie aktuell ist, so eigentlich nicht sein müsste. Wir wollen mit unseren Aktivitäten für uns und für unsere gesamte Generation den Möglichkeitssinn schärfen und das Bedürfnis nach einer anderen Welt stärken.

Dafür bauen wir Netzwerke auf, in denen wir gemeinsam daran arbeiten, unsere alltäglichen Probleme zu lösen und zusammen Veränderungen zu schaffen. Wir glauben, dass es Menschen zum Positiven verändert, wenn sie sich gegenseitig helfen. Alleine fühlt man sich oft machtlos, doch wenn man mit vielen Menschen an einem Strang zieht, kann man viel erreichen. Der kapitalistischen Kultur der Konkurrenz setzen wir die Erfahrung eines Kollektivs entgegen.

Wer wir Jungen Linken sind

Wir Jungen Linken sind Österreichs schnellstwachsende Jugendorganisation. Wir sind in ganz Österreich aktiv und kämpfen gemeinsam für eine bessere Welt. Wir organisieren uns gemeinsam, weil wir wissen, dass wir viele sein müssen, um etwas zu verändern. Wir machen lokale Organisierungsarbeit, Aktionen, Kampagnen und Öffentlichkeitsarbeit. Wir feilen an unseren Positionen, Ideen und Strategien, vernetzen uns sowohl international als auch lokal und versuchen, ein breites Angebot an Bildungsarbeit zu ermöglichen. Wir schaffen Orte der praktischen Solidarität, an denen wir uns gegenseitig helfen. Wir arbeiten am Aufbau einer starken kommunistischen Bewegung in Österreich und international.

Wir lernen voneinander und miteinander. Wir Jungen Linken haben nicht die einzig wahre Lehre im Angebot, sondern wir lernen täglich dazu. Wir wollen nicht belehrt werden und auch nicht andere belehren, sondern die Möglichkeit schaffen, dass jede und jeder selbst verstehen kann. Die Welt, in der wir leben, kann nur verstanden werden, wenn man ihre Entstehung und ihre Gegenwart versteht. Deshalb legen wir viel Wert auf eine Vielfalt an unterschiedlichen Zugängen und Perspektiven in unserer Arbeit. Wir wollen Kohärenz im Gelernten, nicht im Gelehrten. In unserem Verband eignen wir uns daher jenes Wissen und jene Fähigkeiten an, die wir in der Schule nicht lernen. Wir schaffen uns Räume, in denen wir uns frei von Konkurrenz und Leistungszwang ausprobieren können. Damit fordern in unserer praktischen Arbeit jene Verhältnisse heraus, die uns einschränken.

Wir sind junge Menschen aus den verschiedensten Orten und Ländern, mit den unterschiedlichsten Erfahrungen, sozialen Herkünften, Berufen und Interessen. Uns eint, dass wir bei den Ungerechtigkeiten nicht mehr zusehen wollen, sondern selbst für eine bessere Welt aktiv werden. Wir sind davon überzeugt, dass diese andere Welt nur möglich ist, wenn die Unterdrückten dieser Welt, die arbeitenden Menschen, ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Deshalb stehen wir auch bedingungslos auf der Seite der arbeitenden Menschen, der internationalen Arbeiter:innenklasse, ganz egal welcher Herkunft, Hautfarbe oder Geschlechts. Wir stehen dabei in einer langen Tradition. Seit der Französischen Revolution haben sich Millionen von Menschen dem Ziel verschrieben, die Menschheit zu befreien. Mit neuen Erfahrungen und neuen Mitteln führen wir diese Aufgabe fort.

Wir sind Kommunist:innen, weil wir wissen, dass eine andere Welt möglich und notwendig ist, um Armut, Ausbeutung und Ausgrenzung abzuschaffen. Dieses Wissen haben wir nicht nur aus Büchern, sondern wir machen tagtäglich die Erfahrung, dass uns unsere aktuelle Gesellschaft zu enge Grenzen setzt, um die großen Fragen unserer Zeit wirklich zu lösen. Wir arbeiten gemeinsam daran, diese Grenzen aufzulösen, und das Unmögliche möglich zu machen.

Zu unserem Ziel ist es noch ein weiter Weg. Aber gemeinsam gehen wir voran und gemeinsam lernen wir im Gehen. Um unser Ziel zu erreichen, müssen wir noch viel mehr werden. Deshalb wollen wir in den nächsten Jahren noch stärker wachsen und in zehn Jahren Österreichs größte Jugendorganisation sein. Wir wollen dazu beitragen, dass in unserer Generation die Mehrheit dieses System der Ausbeutung und Konkurrenz in Frage stellt und den Wunsch nach einer anderen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung in sich trägt. Gemeinsam arbeiten wir daran, der Ort für junge Menschen zu werden, an dem jede und jeder sich mit seinen und ihren Fähigkeiten und Interessen einbringen kann, an dem jede:r einen Teil dazu beitragen kann, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. 

Beschlossen beim 4. Bundeskongress der Jungen Linken

am 6. bis 9. Jänner in Velden am Wörthersee, Kärnten.