Russland in der Ukraine: Wer will diesen Krieg?

Der Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar hat vergangene Woche die ganze Welt in Aufruhr versetzt. Seitdem wird im ganzen Land gekämpft. Welche Ziele Russland letztendlich mit dem Einmarsch verfolgt, bleibt unklar. Der ukrainische Präsident Selenskyj hat den Westen um Hilfe gebeten. Reagiert wurde mit Sanktionen und dem Ausschluss Russlands von diversen Organisationen und Veranstaltungen. Das Eingreifen des Westens bleibt jedoch eher eigennützig: Die Nato und USA werden Waffen in die Ukraine liefern, jedoch nicht militärisch eingreifen. Die Nato hat ihre Truppenpräsenz in den umliegenden Staaten zwar erhöht, jedoch nur, um zu verhindern, dass Russland seine Ambitionen über die ukrainische Grenze hinaus ausdehnt. Die Sanktionen gegen Russland sind härter ausgefallen als erwartet – aber nur insoweit sie westliche Interessen nicht bedrohen. Und Deutschland hat die Gunst der Stunde genutzt, um aufzurüsten: In Zukunft sollen zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts ins Verteidigungsbudget fließen.

Russland führt zwei Hauptgründe für den Einmarsch an: die Ukraine sei eine „Kolonie mit einem Marionettenregime“, sie und Russland bildeten eine historische Einheit. Putin fühlt sich zudem schon lange von der Osterweiterung der Nato bedrängt und forderte einen „Sicherheitsgürtel“: die Garantie, dass die Ukraine der Nato nicht beitreten wird. Diese Forderung wurde von der Nato entschieden zurückgewiesen. Ein Nato-Beitritt der Ukraine war dabei weder geplant noch unmittelbar in Vorbereitung. Putin hat sich seit seinem Amtsantritt im Jahr 2000 gegen die „neue Weltordnung“ mit der USA als Weltpolizei positioniert. Nun hat er mit ihr brachial gebrochen und der Welt gezeigt, dass Russland gewillt ist, auf die Bluffs des Westens einzugehen.

Der Angriff auf die Ukraine ist nicht zu verteidigen und eine friedliche Lösung muss so bald wie möglich gefunden werden. Die Zivilgesellschaft beklagt bereits 200 Todesopfer. Der Ukrainekrieg wird auf dem Rücken von Menschen ausgetragen, die (auch auf russischer Seite) gezwungen sind, in einem Krieg zu kämpfen und zu sterben, an dem sie kein Interesse haben, ohne Aussicht auf eine gute Lösung. Zwischen den Fronten ist die Bevölkerung der Ukraine nur ein Spielball. Ob Russland das Land militärisch an sich bindet oder ob eine wirtschaftlich noch mehr geschwächte Ukraine nach Ende des Konflikts noch mehr als bisher vom Westen abhängig sein wird – eine souveräne Ukraine liegt in weiter Ferne.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung analysiert die geopolitischen Konsequenzen des Ukrainekriegs.

Le Monde Diplomatique geht dem System Putin auf den Grund.

Das Moment Magazin beleuchtet die Beweggründe Putins.