Lesekreis: I Want it that Way

Planwirtschaft vs. Kapitalismus?  – Spätestens seit dem Fall der Sowjetunion scheint die Frage ein für alle Mal geklärt zu sein. Der Kapitalismus setzte seinen Siegeszug fort und scheint heute unumgänglich. Doch der Kapitalismus konnte seine Versprechen nicht einlösen und in den letzten Jahren wurde immer offensichtlicher, was der Markt alles nicht lösen kann. Neben der drohenden Klimakatastrophe sind wir mit sinkenden Reallöhnen und Vereinzelung konfrontiert. Gleichzeitig werden einzelne Konzerne so mächtig, dass sie über das Schicksal von ganzen Staaten entscheiden können. Konzernchefs predigen einerseits den “freien” Markt, von dem sie profitieren, und prahlen andererseits damit, dass ihre Profitmaximierung auf akribischer Planung basiert. Das eröffnet für uns die Frage: Wie kann eine demokratisch geplante Wirtschaft aussehen, die für die Bedürfnisse aller produziert? Wie planten realsozialistische Länder ihre Wirtschaft? Und woran sind die Vertreter:innen der Planwirtschaft letztendlich gescheitert? 

In unserem Lesekreis wollen wir uns anhand konkreter Beispiele mit der Geschichte planwirtschaftlicher Versuche befassen und dabei herausarbeiten, was  funktioniert hat und was nicht. Gleichzeitig wollen wir uns auch fragen, ob in unserem heutigen Kapitalismus nicht längst ohnehin in großem Maßstab geplant wird. Kann moderne Technologie die Probleme früherer Planwirtschaften lösen und liegt die Planung heutzutage schlichtweg in den falschen Händen? 

Um diese Fragen zu beantworten, setzen wir uns in fünf Einheiten mit dem Thema Planwirtschaft auseinander. Beginnend mit der Frage, wieso es eigentlich Sozialismus braucht, lesen wir in der ersten Einheit einen Text von Albert Einstein. Anschließend befassen wir uns mit der sozialistischen Rechnungsdebatte und beleuchten die größte Planwirtschaft, die es in der Geschichte je gegeben hat: Die Sowjetunion. Als Abschluss diskutieren wir, inwiefern Großkonzerne wie Walmart und Amazon uns dem Ziel einer auf Bedürfnissen und nicht Profit basierten Gesellschaft näher bringen können. 

TERMINE
Die ersten Termine werden sein:

Montag, 16.5. um 18:30 – in Linz, Melicharstraße 8
Dienstag, 17.5. um 18:30 – Online
Donnerstag, 19.5. um 18:30 – Online

danach treffen wir uns jede Woche (am selben Wochentag zur selben Uhrzeit). Insgesamt gibt es 5 Termine, genauere Infos zum Inhalt findest du unten. Gib unten bei der Anmeldung an, an welchem Wochentag du am Lesekreis teilnehmen magst.

Mehr Infos zum Ablauf

In der ersten Woche steigen wir gemeinsam ins Thema ein, verschaffen uns einen ersten Überblick und lernen einander kennen.

Zum inhaltlichen Einstieg lesen wir in der Einheit einen kurzen Text von Albert Einstein darüber, warum er sich für eine sozialistische Planwirtschaft einsetzte, und warum wir diese Debatte nicht nur den Ökonom:innen überlassen dürfen.

Für diese Einheit ist vorab kein Text zu lesen.

Wie können wir eine Wirtschaft mit millionen Produzent:innen und Konsument:innen und unendlich vielen scheinbar unvorhersehbaren Ereignissen effizient planen?

Diese Frage stellten Wirtschaftswissenschafter:innen aus den unterschiedlichsten politischen Lagern in den 1920er Jahren. Vor knapp hundert Jahren schon – also lange Zeit vor Computer und Big Data – diskutierten sie darüber, ob eine sozialistische Planwirtschaft effizienter sein kann als das marktwirtschaftliche System. Dazu lesen wir den Aufsatz “Die Anwendung von Wissen in der Gesellschaft” vom neoliberalen Vordenker Friedrich Hayek.

Mitte des 20. Jahrhunderts versuchten zahlreiche Länder, ihre Wirtschaft nach einem Plan zu organisieren. Wie eine solche Planwirtschaft auszusehen hatte, war jedoch alles andere als eindeutig. Staaten wie Jugoslawien, China oder die Sowjetunion beschlossen und diskutierten in den 1960er-Jahren unterschiedliche Wirtschaftsreformen und bezichtigten sich gegenseitig, vom Weg zum Sozialismus abzukommen und den Kapitalismus durch die Hintertüre einzuführen. Aber auch in der westlichen Linken wurden die realsozialistischen Planwirtschaften und ihre Reformen hitzig diskutiert. In dieser Einheit wollen wir einen Einblick in diese Debatten geben.

Vor über dreißig Jahren kollabierte das größte Experiment einer Alternative zum Kapitalismus, das es jemals gegeben hat. Die Sowjetunion, die einen Bürgerkrieg, eine Weltwirtschaftskrise und einen Weltkrieg überdauert hatte, fiel nun innerhalb kürzester Zeit in sich zusammen. Für die Verteidiger:innen des Kapitalismus schien damit der finale Beweis erbracht zu sein, dass ihr System der Planwirtschaft grundlegend überlegen war. Aber ist das so? Verweist das Scheitern der Sowjetunion auf tiefliegende Probleme im Konzept einer geplanten Wirtschaft? Und wenn nicht, woran scheiterte das realsozialistische Experiment tatsächlich? 

Heute im 21. Jahrhundert flammt die sozialistische Planungsdebatte aufgrund der zunehmenden technischen Möglichkeiten wieder auf. Rückt dadurch endlich eine Welt ohne Knappheit, Verschwendung von Gütern und ausgefahrene Ellenbögen in greifbare Nähe? In der letzten Einheit  werfen wir einen Blick auf das sozialistische Wirtschaftssystem Chiles in the 1970er Jahren. Dann begeben wir uns in die Gegenwart und beleuchten, welche Rolle Planung in unserem aktuellen Wirtschaftssystem spielt. Dafür lesen wir Textausschnitte aus dem Buch “People’s Republic of Walmart”, in dem firmeninterne Abläufe in Großkonzernen wie Amazon oder Walmart mit historischen Planwirtschaften verglichen werden. Abschließend steht die Frage, ob Amazon und Co. uns vielleicht sogar ein Stück näher zum Sozialismus bringen könnten.

Texte und sonstige Unterlagen bekommst du von uns zur Verfügung gestellt. Bei Fragen kannst du dich bei Tanja unter tanja.reiter@jungelinke.at melden.

Anmeldung