Geldwäsche, Kartellbildung, Bestechlichkeit: Wer ist Ex-Ministerin Karmasin?

Letzten Mittwoch hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft die Verhaftung von Sophie Karmasin angeordnet. Die Meinungsforscherin war von 2013 bis 2017 Familienministerin, ist aber in den letzten Monaten vor allem wegen der Korruptionsaffäre rund um Sebastian Kurz in der Öffentlichkeit gestanden. Sie soll gefälschte Umfragen publiziert und damit Kurz zum Aufstieg innerhalb der ÖVP verholfen haben. Letzte Woche sind aber weitere mögliche Straftaten von Karmasin ans Licht gekommen: Die Meinungsforscherin Sabine Beinschab sagte aus, dass Karmasin nicht nur illegal Aufträge der Regierung an andere Institute vermittelt und dafür 20 Prozent Provision kassiert, sondern dieses Geld auch illegal über die Firma ihres Mannes gewaschen habe. Zudem soll Karmasin Beinschab und eine weitere Meinungsforscherin regelmäßig darum gebeten haben, etwas teurere Angebote an verschiedene Ministerien zu schicken, damit schlussendlich Karmasin selbst mit dem “besten” Angebot die lukrativen Zuschläge bekommt.

Karmasins kriminelle Karriere wurde scheinbar auch nach ihrer Zeit als Familienministerin fortgesetzt. So etwas schafft man natürlich nicht alleine. Karmasin war in der ÖVP auch schon vor der Machtübernahme von Kurz bestens vernetzt und wurde nach ihrem Ausstieg aus der Politik weiter mit Aufträgen versorgt. Der jetzige Arbeitsminister Martin Kocher lagerte damals eine Forschungsgruppe aus dem Institut für Höhere Studien (IHS) aus, über die Karmasin und ihre Firma beschäftigt wurden. Zwischen Kocher und Karmasin vermittelte damals Thomas Schmid, der nun im Rahmen der Chat-Affäre ebenfalls angeklagt ist. Der Fall Karmasin zeigt, dass Korruption und Selbstbereicherung nicht erst seit Sebastian Kurz wesentliche Bestandteile der österreichischen Innenpolitik sind und offenbart, wie weit es mit der politischen Abhängigkeit im österreichischen Wissenschaftsbetrieb schon gekommen ist.

Der Standard berichtet über die Verhaftung Karmasins.

Der Kontrast Blog erläutert die Vorwürfe gegen Sophie Karmasin.

Das Moment Magazin schreibt darüber, wie Arbeitsminister Martin Kocher Sophie Karmasin beim Forschungsinstitut IHS absicherte.