Attentat auf Shinzō Abe: Make Japan Great Again

Letzten Freitag wurde der japanische Ex-Premierminister Shinzō Abe während einer Wahlkampfrede für seine konservative Liberaldemokratische Partei (LDP) von einem Attentäter erschossen. Die Gründe für den Mord sind noch unklar. Zu Lebzeiten war Abe polarisierend: Während seiner Amtszeit von 2012 bis 2020 leugnete er wiederholt Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs, was die Beziehung zu Nachbarländern wie China oder Südkorea schwächte. Ein Hauptanliegen war, Japan durch Aufrüstung zur asiatischen Führungsmacht zu machen. Das wollte er durch die Änderung der von den USA angeordneten pazifistischen Ausrichtung der japanischen Nachkriegsverfassung erreichen.

Zurück zu alter Stärke

Die japanische Wirtschaft stagniert seit Jahrzehnten bei einem enormen Schuldenstand in einem Teufelskreis fallender Profite, Preise und Löhne. Unter dem Schlagwort „Abenomics“ steigerte Abe die öffentlichen Ausgaben z.B. für Infrastruktur, wies die Zentralbank an, in großem Stil Geld in die Wirtschaft zu pumpen und erließ der Wirtschaft zahlreiche Vorschriften. Der Erfolg dieser Maßnahmen ist unter den Erwartungen geblieben, sie konnten nur schwaches Wachstum bewirken. Sie zeugen jedoch von Abes nationalistischem Ehrgeiz.

Abes Traum wird erfüllt

Am Sonntag fand schließlich die japanische Oberhauswahl statt. Wie erwartet hat die regierende LDP Abes die Wahl gewonnen. Die Ukrainekrise hat eine globale Welle der Aufrüstung ausgelöst, Neutralität ist auf dem Rückzug. So kann Abes Nachfolger im Premierministeramt vielleicht endlich Abes großes Ziel umsetzen: die Verfassung umzuschreiben, um Japan militärisch wieder zu vermeintlich alter Stärke zu führen.

📰 Die Deutsche Welle fasst in einem kritischen Nachruf Shinzō Abes politisches Erbe zusammen.

📰 Die Süddeutsche Zeitung spricht in ihrer Wahlanalyse von einer “Zeitenwende“ angesichts der neuen Parlamentsmehrheit gegen die alte pazifistische Verfassung.

📰 Der GegenStandpunkt beschreibt Abes Projekt, Japan sowohl wirtschaftlich als auch militärisch wieder zur Großmacht zu machen.